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Gesetzliche Vorsorge- und Impfangebote besser nutzen: Ansatzpunkte für Arztpraxen

Kramer U., Wenk K.*; Duale Hochschule Lörrach, Studiengang Health Care Management*

1. Fragestellung:

Gesetzliche Vorsorge- und Impfangebote zählen zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen. Anspruchsberechtigte nehmen die Möglichkeit nicht in gewünschtem Maße wahr. Die Studie untersucht u. a. Ansatzpunkte für Ärzte, die zu einer besseren Nutzung der Impf- und Vorsorgeangebote beitragen können.

2. Ziele:

  1. Potentielle Hürden aus Sicht von Patienten, Ärzten und Apothekern identifizieren.
  2. Derzeitige Aktivitäten und Vernetzungsgrad im Bereich Prävention beleuchten.
  3. Die Einschätzung der Erfolgsaussichten ausgewählter Maßnahmen aus Sicht von Patient, Arzt und Apotheker erfassen, um Ansatzpunkte u. a. für die Präventionsarbeit von Ärzten daraus ableiten zu können.

3. Methoden:

Im Juni 2010 wurden niedergelassene Ärzte, Apotheker und Patienten zu jeweils fünf bzw. vier (Patienten) Fragenkomplexen befragt:

  1. Gründe für die geringe Nutzung auf Seiten der Patienten.
  2. Informations- und Entscheidungsverhalten von Patienten.
  3. Ansprache in Arztpraxen und Apotheken: Aktivitäten, verwendetet Medien.
  4. Maßnahmen zur besseren Nutzung von Impf- und Vorsorgeangeboten.
  5. Zusammenarbeit in regionalen Netzwerken. Die Patienten wurden mittels online-Befragung im Social Network Facebook erreicht. Die niedergelassene Ärzte (500) und Apotheker (500) wurden jeweils per E-Mail (400) bzw. postalisch (100) kontaktiert. Nur vollständig ausgefüllte Fragebögen wurden in der Auswertung berücksichtigt.

Zum Download des Posters

4. Ergebnisse:

Die Fragebögen von 207 Patienten, 42 Ärzten und 45 Apothekern wurden berücksichtigt.

4.1 Hürden

Als Hauptgrund für die mangelnde Nutzung der Vorsorgeangebote nennen Patienten, Apotheker und Ärzte, dass Patienten über diese Angebote zu wenig informiert sind [Mittelwerte: 2,3 (Patient); 2,1 (Arzt); 2,0 (Apotheker)]. (1= trifft voll und ganz zu, 5= trifft gar nicht zu). Die Skepsis von Patienten Impfungen [3,5; 3,0; 2,8] oder Vorsorgeuntersuchungen gegenüber [4,0; 3,3, 3,0] wird von Ärzten und Apothekern überschätzt, die befürchtete Wartezeit beim Arzt als potentielle Hürde von Ärzten unterschätzt (2,7; 3,4; 2,5).

4.2 Medien

Präventive Zusatzleistungen bieten zwei Drittel der befragten Ärzte (64,1%) häufig an. Um Patienten auf gesetzlich Impf- und Vorsorgeangebote aufmerksam zu machen, nutzen die befragten Ärzte häufig überwiegend klassische Printmedien, wie Informationsbroschüren (83,3%) und Poster (64,3%)

4.3 Ansprache I

Die große Mehrzahl der befragten Ärzte (83,3%) gibt an, Patienten häufig anzusprechen, wenn sich dies ergibt, in jeder vierten Praxis (23,8 %) scheitert die Ansprache häufig aufgrund von Zeitmangel. Die meisten befragten Ärzte dokumentieren den Impf- (59,5%) bzw. Vorsorgestatus (69 %) ihrer Patienten mit Hilfe ihrer Praxis-EDV. Über die Hälfte der Praxen (57,1%) erinnern ihre Patienten häufig per Recall, in erster Linie schriftlich (40,5%), an fällige Impf- bzw. Vorsorgetermine, häufig telefonisch erfolgt der Recall in 28,6 % der Praxen.

4.4 Ansprache II

Im Gegensatz dazu steht die Wahrnehmung der befragten Patienten: ein Drittel gibt an, noch nie auf Impfungen (35,7 %) bzw. auf Vorsorgeuntersuchungen (55,6%) in der Arztpraxis angesprochen und noch nie weder schriftlich (81,6%) noch telefonisch (80,7%) an Impf- und Vorsorgetermine erinnert worden zu sein.

4.5 Infoquellen

Auf der Praxiswebsite hat die Mehrheit der befragten Ärzte noch nie Informationen zu Impf (52,4%)- bzw. Vorsorgeangeboten (42,9%) kommuniziert, während die befragten Patienten dem Internet als Hauptinformationsquelle in Sachen Gesundheit [2,7] die größte Bedeutung zumessen.

4.6 Netzwerke

Aktive regionale Netzwerkarbeit zur besseren Erreichbarkeit von Patienten für Präventionsthemen nutzt nur eine kleine Gruppe der befragten Ärzte, die Zusammenarbeit dieser Ärzte erfolgt häufig mit ärztlichen Kollegen (29,3%) gefolgt von Apotheken (19%) und Selbsthilfegruppen (19%), Gesundheitsämter (11,9%), Kindergärten, Schulen und Seniorenheime (9,5%).

4.7 Maßnahmen

Im Hinblick auf Ansatzpunkte zur Optimierung bewerten Patienten, Ärzte und Apotheker gleichermaßen die fachliche Fortbildung des Praxisteams [1,6; 1,6; 1,7] als wichtigstes Mittel, daneben stufen sie Fortbildung für Praxis- und Apothekenteams zur verständlichen Wissensvermittlung [2,1; 1,7; 1,9] sowie Prämienanreize von Seiten der Kassen für Versicherte [1,8; 2,1; 2,3] als wirksame Maßnahmen ein, um die Nutzungsraten der Vorsorge- und Impfangebote zu verbessern.

5. Diskussion:

Die befragten Ärzte unterstützen ihre Präventionsarbeit mehrheitlich mit Hilfe ihrer Praxis-EDV und Recall-Aktivitäten und bieten über die gesetzlichen Präventionsangebote hinaus häufig präventive Selbstzahlerleistungen an. Bei der Ansprache der Patienten agieren Ärzte in der Regel als Einzelkämpfer und sind selten in regionale Präventionsnetzwerke eingebunden. Angesprochen werden Patienten beim Großteil der befragten Praxen, wenn es sich ergibt, unter Zeitdruck wird häufig ganz auf die Ansprache verzichtet. Damit sich Patienten dauerhaft an eine Ansprache erinnern können, schriftliche Erinnerungen (Recalls) wahrnehmen und aufmerksam werden auf Impf- und Vorsorgeangebote, sind offensichtlich mehrfache und wiederholte Impulse notwendig, Ansatzpunkte bietet eine routinemäßige, aufmerksamkeitsstarke Ansprache aller Patienten beim Praxisbesuch. Die derzeit mehrheitlich eingesetzten stummen Kommunikationsmittler, wie Informationsbroschüren (83,3%) und Poster (64,3%) treffen auf Patienten, deren Informationsverhalten sich durch Medien wie Fernsehen, Video und Internet verändert hat (Abb. 4.2). Visuelle Reize, bewegte Bilder, interaktive Informations- und Mitmachmedien konkurrieren um die Aufmerksamkeit. Es ist anzunehmen, dass Medien für die individuelle Patientenansprache, die diesem veränderten Informationsverhalten entsprechen, besser geeignet, den Erfolg und die Nachhaltigkeit eines Beratungsgespräches zu steigern. Dem Internet als Informationsquelle auch für Gesundheitsthemen sowie für den Austausch mit Gleichgesinnten oder Betroffenen wird von Patienten eine große Bedeutung zugemessen. Ärzte nutzen diese Chance bisher wenig, verzichten heute noch weitgehend darauf, ihre Patienten über ihre Präventionsangebote auf ihrer Website zu informieren.

6. Schlussfolgerungen/Konsequenzen für die Praxis:

Die Studie legt nahe, dass Patienten, die die für sie relevanten Präventionsangebote kennen, diese in der Regel auch verstärkt nutzen werden. Die verständliche, am Informationsverhalten der Patienten orientierte Vermittlung des Nutzens von Impf- und Vorsorgeleistungen und die aufmerksamkeitsstarke Ansprache von Patienten, die in eine feste Praxisroutine eingebettet ist und auch unter Zeitdruck erfolgen kann, sind geeignete Ansatzpunkte, um die Nutzung von Vorsorge- und Impfangeboten zu steigern. Darüber hinaus kann der Ausbau des aktuell niedrigen Vernetzungsgrades von Ärzten mit anderen Akteuren wie Apotheken, Gesundheitsämtern, regionalen Selbsthilfegruppen, Schulen, Kindergärten und Seniorenheimen entscheidende Synergien eröffnen und dazu beitragen, die Aufmerksamkeit für Vorsorgethemen in der breiten Bevölkerung zu erhöhen. Auch eine Ausweitung der Informationsangebote auf der Praxiswebsite von Ärzten könnte die Erreichbarkeit von Patienten verbessern, die den Stellwert des Internets als Informationsquelle selbst als hoch einstufen.

Eine ganz praktische Hilfestellung für Arztpraxen sind in diesem Kontext die Impf- und Vorsorge-Uhren. Sie können als visuelle Präventionsbotschafter nach dem Beratungsgespräch Impulse aus der Arztpraxis in die Familien tragen. Sie können die Nachhaltigkeit der Beratung verbessern und öffentlichkeitswirksam die Kompetenz des Praxisteams als Präventionsberater erfahrbar machen. Sie sind sowohl als Gesundheits-Apps für Smartphones als auch als interaktive Webapplikationen für Ihre Praxiswebsite erhältlich. 

Kontakt:

Initiative Präventionspartner
Dr. Ursula Kramer
sanawork Gesundheitskommunikation
Emmy-Noether-Str. 2
79110 Freiburg
T 0761/151548-0
info@praeventionspartner.de

Ansprache und Aufklärung über gesetzliche Impfangebote in der Apotheke

Im Anschluss an die Präventionsstudie 2010 wurde im Rahmen einer weiteren Studie quantifiziert, wie sich die Ansprache und Aufklärung über gesetzliche Impfangebote in der Apotheke und die abgestimmte Zusammenarbeit von Ärzten und Apothekern im Bereich der Impfaufklärung auf die Impfraten auswirken kann.

Im Fokus der Studie standen zwei Impfindikationen, die aufgrund ihrer Bedeutung für die Erreichung Nationaler Impfziele eine wichtige Rolle spielen: die Masern- und Influenza-Impfung. Die Studienergebnisse liegen mittlerweile vor und sind auf der Studienwebsite www.niza3.de veröffentlicht. Sie zeigen eindrücklich, dass Apotheker ihre Kunden sehr erfolgreich zum Impftermin beim Arzt motivieren können.

Präventionsstudie 2010 kurz gefasst:
Wie kann es gelingen, die Nutzungsraten für Vorsorge- und Impfleistungen zu steigern und welchen Beitrag kann dazu die Apotheke leisten? Dies war der Ausgangspunkt unserer Studie, im Rahmen der wir im Juni 2010 Ärzte, Apotheker und Patienten befragt haben. Die Ergebnisse wurden beim Präventionskongress des WIPIG (Wissenschaftliches Institut für Prävention im Gesundheitswesen) am 30./31.10.2010 vorgestellt.

Hier geht es weiter zum Poster.

Die Ergebnisse kurzgefasst:

  1. Obwohl die Mehrzahl der befragten Apotheken diagnostische Präventionsleistungen anbietet, wie Blutdruckmessungen, Blutuntersuchungen oder Diabetesrisikotest, nutzen Apotheken bisher kaum die Chance, ihre Kunden in diesem Beratungsumfeld auch für Vorsorge- und Impfangebote zu sensibilisieren und sie vorab zu informieren.
  2. Nur wenige Apotheker engagieren sich in regionalen Präventionsnetzwerken, nur etwa jede 8. Apotheke gibt an, häufig mit Ärzten im Bereich Prävention zusammenzuarbeiten.
  3. Die Patienten hindert weder Skepsis gegenüber Impfungen oder Angst vor Vorsorgeuntersuchungen an der Nutzung der Angebote, sondern vielmehr die Tatsache, dass sie sich zu wenig informiert fühlen.
  4. Patienten geben als wichtige Informationsquelle für Gesundheitsfragen vor dem Arzt und Apotheker das Internet an. Betrachtet man im Gegensatz dazu den Anteil der Ärzte und Apotheken, die Informationen über Impfungen- oder Vorsorgeuntersuchungen auf Ihren Websites für Kunden zu Verfügung stellen, so lassen sich für die Zukunft deutliche Optimierungspotentiale erkennen.

Eine ganz praktische Hilfestellung für Apotheker sind in diesem Kontext die Impf- und Vorsorge-Uhren. Sie können als visuelle Präventionsbotschafter nach dem Beratungsgespräch Impulse aus der Apotheke in die Familien tragen. Sie können die Nachhaltigkeit der Beratung verbessern und öffentlichkeitswirksam die Kompetenz des Apothekers als Präventionsberater erfahrbar zu machen. Sie sind sowohl als Gesundheits-Apps für Smartphones als auch als interaktive Webapplikationen erhältlich, können also auf jeder Apothekenwebsite eingebunden werden.